Wir schreiben 1979 und wir entschlossen uns erstmals für einen Urlaub im Hochgebirge. Die Möglichkeiten hierfür waren leider nicht gerade übbig. Neben dem Ural und dem Kaukasus in der Sowjetunion, dem Rilagebirge in Bulgarien und den Westkarpaten in Rumänien gab es nur den kleinen Hochgebirgszug der hohen Tatra. Zur problemlosen touristischen Nutzung stand freilich nur die Tatra zur Verfügung. Somit war es für uns klar, wenn wir etwas vom Flair des Hochgebirges abhaben wollen müssen wir uns auf den Weg in den Südosten der CSSR machen. Gesagt getan, ausgestattet mit unserem CSSR-Reiseführer, entsprechendem Kartenmaterial und nach ausführlichen Informationen auch mit der richtigen hochgebirgstauglichen Kleidung, machten wir uns gemeinsam mit meinem Bruder und seiner Frau mit deren Trabi auf den Weg in ein unbekanntes Abenteuer. Vorweg genommen, wir hatten zwei wunderschöne Wanderwochen zwischen den Gipfeln der hohen Tatra und den urischen Tälern des slowakischen Paradieses. Je nachdem wie das Wetter war machten wir uns in den verschiedenen Wandergebieten auf den Weg.

 

 

 

 

 

Immer mit im Rucksack, Stativ, mehrere Objektive  und meine "Exakta RTL 1000"

Die genaue Reihenfolge der einzelnen Tagestouren ist leider nicht mehr zu rekonstruieren, die ursprüngliche Planung wurde je nach dem Tageswetter angepasst. Also erzählen wir mit einigen Bildern etwas über die jeweiligen Tage.

Den Kern unseres Urlaubs sollten natürlich die Hochgebirgstouren zu den Gipfeln der "Vysoke Tatry" bilden.

Der Start in den Tag begann immer 04:00 Uhr Morgens, jedoch nicht um mit Sicherheit aufzustehen, sondern nur um zu sehen ob von unserer Ferienwohnung aus der Gebirgszug der Tatra zu sehen war. Wenn ja wurde der Rest geweckt und die Tatratagesplanung wurde angegangen. Schließlich stand im Bergführer geschrieben, man solle bis um 11:00 Uhr auf dem jeweiligen Gipfel angelangt sein, denn wer will sich schon beim Aufstieg von einem möglichen Wetterwechsel überraschen lassen. Sahen wir die Tatra nicht wurde sich halt wieder umgedreht und der Tag ging in die Umplanung.

Den Auftakt bildete eine leichte Wanderung von Strbske Pleso auf den Solisko.

Der Anfang wäre damit gemacht, nun kann es also auch auf die richtigen Berge gehen. Der Rysy, auf dessen Gipfel sich Wanderer von der tschechischen und der polnischen Seite treffen fordert von seinen Besteigern schon einiges an Ausdauer und Geduld. Wir hatten allerdings bei unserem Aufstieg etwas Pech. Kurz vor der Rysyhütte (2250m) zog sich der Himmel zu, es begann zu schneien, wohlgemerkt im August, und es nebelte uns total ein, damit war der Weg auf den Gipfel für heute gestorben.  Auch wenn der Aufstieg wahrlich kein Vergnügen darstellt wollten wir die 7 Std. Wanderung nochmals auf uns nehmen. Am letzten Urlaubstag machten wir uns deshalb nochmals auf den Weg. Diesmal sollte es uns gelingen und wir kamen zu unserem Gipfelfoto (2499m).

Bereits am nächsten Tag bot uns das Wetter die Möglichkeit den höchsten Gipfel der Hohen Tatra den geplanten Besuch abzustatten. Also wieder früh zeitig raus aus den Federn und mit dem Auto nach Tatranska Lomnitca. Auf gings, mit einer der ersten Seilbahnen bis zur Zwischenstation "Enzian" (1751m). Von hier aus fährt dann die Seilbahn auf die Lomnitcspitze. Gleich weiter, schön wäre es gewesen, wir bekamen Fahrkarten für um 16:00 Uhr(!). Zwar waren etwas verärgert, aber wir waren auch auf so etwas vorbereitet. Wir bogen ab und wanderten über "Velke Svistovka" (2037m) weiter in das Tal bis zur Hütte "Brncblova Chata" die auf 1545m liegt. Hier bekamen wir einen ausgezeichneten Hammelgulasch mit Knödel serviert, an den man sich heut noch erinnern kann, da der Knoblauch den Hammel etwas übertünschen konnte. Frisch gestärkt gingen wir weiter zurück zum "Encian" von wo wir dann unsere geplante Fahrt auf die Lomnitzspitze machen konnten. Wir hatten jetzt doch auch noch etwas Glück, denn der Wettergott ermöglichte uns einen tollen Blick vom Gipfel. So hatten wir auch die Fotoausrüstung wieder nicht umsonst herum geschleppt.

Bei schlechterem Wetter nutzten wir das ebenfalls in der Nähe gelegene Slovensky Raj. Eine wunderschöne Wandergegend im trockenen Flussbett, über Leitern und auf Steinen kommt man zu schönen Waldlichtungen.

 

Stellvertretend für mehrere Touren sei hier die Tour von Podlesok aus, durch die "Sucha Bela" bis zum Camping -u. Wandertreff Klastorisko gezeigt. Klastorisko ist ein früheres Kloster, was allerdings nur noch in ruinösen Mauerstücken zu erkennen war. Wer heute dort hin kommt, so wie wir 2001, der kann freudig feststellen, dass man sich dem geschichtsträchtigen Ort angenommen hat und das Gebiet des Klosters archeologich wieder erschließt.

In der folgenden Bildübersicht zeigen wir einige der wirklich interessanten Wanderwege.

 

 

 

 

Zurück in der "Hohen Tatra" prüfte uns eine der nächsten Touren mehr als wir glaubten. Der Weg über den Prinzensattel (2352m) führte uns über Geröll und an Ketten Bergauf -und Bergabwärts. Bei durchaus hohen Temperaturen waren wir am Ende mächtig ausgelaugt. Die Pause an der Terryhütte gab uns die notwendige Kraft zur Überquerung. Völlig unverständlich fanden wir Hochgebirgsanfänger was manch einer seinen Füßen so antat, denn hier mit Sandalen oder auch nur mit einfachen Turnschuhen herum zu rennen war schon mehr als abenteuerlich.

Den Aufstieg zum "Satan" mussten wir erneut zweimal angehen. Der Satan ist nicht mit Wegen ausgebaut. Bei dessen Begehung muss man sich an Steinpyramiden und Bergseen orientieren. Die Wander -u. Bergkarte richtig lesen zu können ist genau so wirkungsvoll wie sich ändernde Naturgegebenheiden zu erkennen. Uns ist dies beim ersten Versuch nicht gelungen, da sich zwei kleine Bergseen auf Grund der Sommertrockenheit in Pfützen verwandelt hatten und wir dadurch den Einstieg zum Gipfel nicht erkannten. Bei der häuslichen Rekonstruktion fanden wir unseren Fehler und beim zweiten Aufstiegsversuch somit auch den Gipfel, was uns einen richtigen Eintrag in ein Gipfelbuch ermöglichte.

 

An einem leicht regnerischen Tag entschieden wir uns mal Tatra und Paradies ganz zu meiden und fuhren an den südlichsten Zipfel der Tatra. Das Gebirgsdorf Zdiar ist ein touristisches Zentrum wo noch traditionell Trachten getragen werden.

Vor dem Besuch von Zdiar fuhren wir jedoch zum "Cerveny Kloster". Das rote Kloster wurde im 14. Jahrhundert von Kartäusermönchen gegründet. Hier im geobotanischen Naturschutzgebiet des Nationalparks Pieniny finden wir auch den Ausgangspunkt eines besonderen Erlebnisses. Der reißende Fluß Dunajec ist zugleich der Grenzfluss zwischen der heutigen Slovakei und Polen. Von beiden Seiten werden auf ihm Floßfahrten angeboten, die man unbedingt buchen sollten.

 

 

 

Und so geht es gemütlich an den Startpunkten los, bevor es dann in rasanter Fahrt durch rauschende Stromschnellen an herrlichen Felswänden vorbei geht.

Nach dem Rückmarsch zum Kloster fuhren wir weiter nach Zdiar. Da es Sonntag war hatten wir das Glück das es nach dem Kirchgang einige Bewohner gab die vermutlich ihren Trachtentragetag hatten und so den Objektiven der Touristen ausgesetzt waren. Das Dorf selbst bietet wunderschöne alte Holzhäuser, eine schöne alte Kirche und ein Heimatmuseum, welchem man auch einen Besuch abstatten sollte.

 

 

 

 

Wenn Morgens der Blick auf die Tatra so war, hieß es aufstehen  und auf ins Gebirge.

Ausgangspunkt für viele Wanderungen ist immer wieder Strpsko Pleso. Der Ort ist natürlich für sein Wintersportzentrum bekannt, bietet aber auch viele Möglichkeiten zum Wandern unterhalb der Berge, sozusagen zum Gebirgsspazieren gehen. Den Opfern der Berge ist hier auch ein Bergfriedhof gewidmet.

Zum Ende der zwei Wochen wanderten wir noch zur Räuberhütte. Der ausgeschilderte Weg führt wieder über Geröll und entlang an Ketten, über kleine Wasserfälle, die nach einem Regen aber durchaus zu einem ordentlichen Wasserfall werden können. Dann gilt es allen Mut zusammen zu nehmen und alles Geschick zu mobilisieren um diese wieder durchqueren zu können. Oberhalb der Räuberhütte machten wir unsere Mittagspause, genossen diese herrliche Natur und begaben uns dann zurück nach Stary Smokovec.

 

 

Ein weiterer Ausflug führte uns zur Burg Krasna Horka. Ihr Name spricht zwar eigentlich von der "kleinenBurg", die auf seinem kleinen Burgberg jedoch sehr stattlich wirkt. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, da sich hier auch die enge Verschlungenheit der slovaksichen und der ungarischen Geschichte wiederspiegelt.

 

 

Auch für Krakow, die Hauptstadt der Woiwodschaft Kleinpolen, fanden wir noch einen freien Tag. Da ich bereits 1971 einmal hier war, wusste ich das sich dieser Ausflug auf jeden Fall lohnte. Wir besuchten die Wawel, die Königsburg von Krakow, die Marienkirche und natürlich den Marienplatz davor mit seinen herrlichen Arkaden.

 

 

 

 

Damit waren zwei erlebnisreiche Wochen zu Ende. Wir hatten ein Gefühl für das Hochgebirge bekommen. Hatten anstrengende aber auch schöne Wanderungen gemacht, hübsche kleine Städte besucht und auch sonst noch das eine oder andere erlebt. Fazit der Reise, die Hohe Tatra und seine Umgegend ist eine Wiederholung wert. Was wir damals aber noch nicht wissen konnten, es dauerte 22 Jahre bis wir wieder hier waren.

Als krönenden Abschluss auch dieser Reise, mussten wir einige Stunden bis zum Grenzübertritt zubringen, das war aber zu dieser Zeit normal.